Mozarts Eier


„Igor – die Marktforschung ist da. Wir verlieren beträchtliche Marktanteile – wir müssen handeln! Jetzt sind wir schon seit 25 Jahren in dem Bio-Business, mittlerweile machen uns alle nach. Ich erwarte Ideen – zack, zack!“
„Ja, Dottore Pascolo, ich habe mir schon Gedanken gemacht. Wie wäre es, wenn wir unsere Hühner mit Leindotter füttern? Dann hätten die Eier mehr Omega-3-Fettsäuren!“
„Gute Idee, Igor. Leider hattest Du die schon. Vor fünf Jahren. Das machen wir schon!“
„Oh! Tut mir leid, Dottore Pascolo! Einen Moment ... Also, hier hätte ich noch: Wir geben unseren Hühnern einfach Freiheit!“
„Freiheit? Im Ernst? Das machen wir doch auch schon! Die haben alle Freiheiten, die wir auch haben – alle vier Jahre darf sich jedes Gehege eine neue Kanzlerin oder einen neuen Kanzler wählen. Du wirst alt, Igor!“
„Ach, das habe ich tatsächlich vergessen. Na gut, einen Vorschlag hätte ich noch: Wir spielen den Hühnern ihr ganzes Leben lang Radio vor! Das hält sie bei Laune und das macht keiner unserer Konkurrenten!“
„Radio? Das geht nicht. Dummer Einfall.“
„Warum, Dottore Pascolo?“
„Das ist Tierquälerei. Radio ist dazu da, Werbung zu verbreiten. Da bekommen die Hühner nur den Wunsch unnütze Sachen zu kaufen. Das können sie aber nicht – oder willst Du ihnen ein Gehalt zahlen?“
„Nein, das nicht. Dann halt einfach eine Spotify-Playlist. Macht man so, heutzutage.“
„Das geht auch nicht, Igor – hast Du einmal das Kleingedruckte gelesen? Wer Spotify abonniert, verkauft seine Seele.“
„Gut. Dann klassische Musik. Ich habe noch den Plattenspieler von meinem Opa und einen ganzen Stapel LPs.“
„Hm. ‚Aufgezogen mit klassischer Musik‘ könnten wir dann auf die Eierschachtel drucken. Das klingt gut. Weißt Du was? Das machen wir! Gut gemacht, Igor!“
„Danke, Dr. Frankenstein!“
„Pascolo! Dottore Pascolo, Igor!“
„Meinte ich doch ...

Klassische Musik ist gesund. Da gibt es Studien, habe ich gehört. Heavy Metal will man den Hühnern nicht zumuten, das liegt ja auf der Hand. Werden die Eier hart.
Aber „klassische Musik“ ist ja auch nicht immer nur positiv, oder? Wenn man den Hennen den ganzen Tag Wagners 'Ritt der Walküren' vorspielt, werden davon die Eier lecker?
Moment - ich wittere eine Marktlücke!
Der nächste Schritt in der Vermarktung von Hühnereiern werden spezielle Geschmacksrichtungen sein. Wagners Eier schmecken nach Salz und Pfeffer, Chopins Eier haben eine süßliche Ingwernote, Bachs Eier dafür eine quadratische Form. Und Mozarts Eier? Na, die schmecken nach Nougat, Marzipan und Pistazien!