We Are River People

(Vier Fotos) Es begann am frühen Vormittag zu regnen. Kein Unwetter, keine Flutkatastrophe, nur heftiger, stundenlanger Regen - nicht einmal so schlimm wie exakt vor vier Wochen, als wir in Piazzola alla Quercia angekommen sind. Also begann ein Fluss zu fließen. Hier, an der Vocabolo, wird es unser Fluss. 

Das neue Gewässer, nennen wir es 'River Piazzola', umspült unseren Gastank. Vielleicht war der Ort von den sicher gut informierten Technikern doch nicht optimal gewählt. Warum der altgewohnte Platz unter der hässlichen Betonplatte auf einmal nicht mehr gut genug war, erschloss sich uns noch nie.

Hier sieht man Herrn Wunderlich, wie er - bis über die Knöchel im Schlamm - dem hauseigenen River Piazzola den Abfluss aus dem Gastankloch erleichtert. Frau Anders war beunruhigt und wer könnte ihr das nach den Hochwasserkatastrophen dieses Jahres übelnehmen? Sicher nicht Herr Wunderlich, dessen zwei Regenjacken durchweichen, während er planlos Schlamm über den Garten verteilt; schwierig ist das Graben zumindest nicht.

Und da fließt er nun vor sich hin, unser eigener Fluss. Diese Natur, dieser Reichtum! Ach, wie anders das Leben doch ist, wenn man so am Wasser lebt. Wir River People haben einen anderen Blick auf die menschlichen Nöte, einen gelasseneren, einen weiseren: Es ist schließlich nie das gleiche Wasser, das an einem vorbeitreibt - ein Fluss ist endlos und nicht aufzuhalten. Eine Naturgewalt im eigenen Garten, das hatte sich die Maklerin nicht zu versprechen getraut.

Wir sind auf jeden Fall froh, dass unsere Obstplantage gut gewässert ist und freuen uns auf die Ernte, genug frische Erde ist ausgebracht. Ach, eine Stunde später hat der Regen aufgehört.