Die Nachbarschaft
Das ist unsere Kreisstadt. Piegaro heißt sie und zeigt hier ihre Schokoladenseite, die aber kaum jemand sieht. Denn durch den Ort führt die SP307, die kurz vor dem historischen Ortskern wieder den Berg hinabführt. Die Entfernung beträgt laut der Verkehrsschilder nur vier Kilometer - was ungefähr der Luftlinie entspricht - die Fahrt dauert 25 Minuten.
Darum richten wir uns hauptsächlich an Tavernelle aus. Hier ist das "Dolci & Tradizione", wo wir Tara getroffen haben; der "Mercatino di Tavernelle", wo wir unseren gebrauchten Werkzeugschrank gekauft haben; der "große" Conad, der aber im Vergleich zum Gala nur klein ist; das Tabakgeschäft, welches sogar Elixyr führt - Ellens exotische Mentholzigaretten; unsere Bank; der Billigshop, den wir "die Chinesin" nennen; die Post und hoffentlich das Centro vaccinale, wo wir eine Boosterimpfung bekommen werden.
Es bleibt abzuwarten, ob sich im Sommer Touristen hierher verirren, ich wage zu bezweifeln, dass Tavernelle in irgendeinem Reiseführer Erwähnung findet. Hier wird gearbeitet, man hatte in den Sechzigern kommunistische Bürgermeister. Die "Via Lenin" oder die "Via Friedrich Engels" künden noch davon.
Tavernelle ist offiziell ein Ortsteil von Panicale. Das ist eine hübsche Gemeinde, die immer noch nicht wesentlich aus ihrem mittelalterlichen Ortskern gewachsen ist. Von hier bietet sich ein wirklich beeindruckender Ausblick auf den Lago Trasimeno. Die Lage der öffentlichen Toiletten lässt darauf schließen, dass genau das der Grund ist, warum sich hier im Sommer Touristen tummeln.
Unerwähnt darf auch nicht Città della Pieve sein, das sich bei meinen drei bisherigen Besuchen jedes Mal völlig anders dargestellt hat. Von all den bisher vorgestellten Orten ist es das Supermodel. Im Mittelalter produzierte man hier Ziegelsteine, Fliesen oder Dachziegel für ganz Mittel- und Norditalien und aus diesem Material baute man auch die Stadt.
Ach! Wir gehören natürlich zu Perugia. Das ist nicht nur die Hauptstadt Umbriens, sondern auch die Hauptstadt der Provinz Terni, des kleinern Teils Umbriens, der vom 16. Jahrhundert bis zum Risorgimento zum Vatikan gehört hat.
Zum Westen hin sickert es in riesige Gewerbegebiete aus. Von uns aus dauert die Fahrt 41 Minuten für die 28 Kilometer, die Hälfte davon führt durch Architektur, die nicht von Bauverordnungen begrenzt wurde. Die Innenstadt ist natürlich bezaubernd und hat die angemessene Größe und Bauweise für Umbrien - ein bisschen bescheidener und kleiner als in der Toskana, aber nicht so unauffällig wie viele Städte in den Marken.
Castiglione fehlt hier. Und auch Chiusi, keine 20 Kilometer von uns entfernt. Von dort fährt ein Schnellzug in unter 90 Minuten nach Rom. Aber weder in Castiglione noch in Chiusi waren wir bisher.